Wie beantrage ich eine Rehabilitationsmaßnahme bzw. ein Heilverfahren?

Was ist ein Heilverfahren?

  • Ein Heilverfahren ist eine Leistung zur Teilhabe in der medizinischen Rehabilitation (SGB IX).
  • Die medizinische Rehabilitation kann ambulant/teilstationär und stationär durchgeführt werden.
  • Die ambulante/teilstationäre Rehabilitation findet in der Regel wohnortnah statt.

Als ambulante Vorsorge wird die frühere offene Badekur bezeichnet.
Diese muss an einem anerkannten Kurort durchgeführt werden und wird beim Hausarzt beantragt. Die Kurmittel (Anwendungen) werden zu 90 % von der Krankenkasse finanziert. Für Unterkunft und Verpflegung zahlt die Krankenkasse einen Zuschuss in Höhe von 13 Euro pro Tag.

Alle genannten Rehabilitationsmaßnahmen können in der MATERNUS-Klinik durchgeführt werden, sofern die Indikation für unser Haus vorliegt

Die stationäre Rehabilitation untergliedert sich in

Das medizinische Heilverfahren (Rehabilitationsmaßnahme) und die Anschlussrehabilitation (Anschlussheilbehandlung/AHB)

Das medizinische Heilverfahren

Das medizinische Heilverfahren wird beantragt bei der Krankenkasse, wenn Sie z.B. als Rentner oder Hausfrau keine Leistungen anderer Kostenträger erhalten.

  • der Rentenversicherung, wenn Sie rentenversicherungspflichtig sind - arbeiten oder Arbeit suchen.
  • der Unfallversicherung, wenn Ihre Beschwerden Folgen eines Arbeits- oder Verkehrsunfalls sind.
  • der priv. Krankenversicherung, wenn ein entsprechender Tarif vereinbart wurde.
  • der Beihilfestelle, wenn Sie als Beamter tätig sind und für sich selbst oder ein Familienmitglied medizinisch- therapeutische Hilfe suchen.
  • dem zuständigen Sozialamt, wenn Sie Schwierigkeiten haben, am sozialen Leben oder am Arbeitsleben teilzunehmen und kein anderer Kostenträger für Sie in Frage kommt.
  • der Kriegsopferfürsorge/ Kriegsopferversorgung, wenn Sie Wehr- oder Zivildienstleistender, Opfer von Gewalttaten oder kriegsversehrt sind.

Das medizinische Heilverfahren wird über den Facharzt beim jeweiligen Kostenträger beantragt.
Der Eigenanteil bei Rehabilitationsmaßnahmen beträgt 10 Euro am Tag (für max. 42 Tage) genauso, wie bei ambulanten/teilstationären Rehabilitationen.

Anschlussheilbehandlung (AHB)

Die Anschlussheilbehandlung ist eine Rehabilitationsmaßnahme im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt.
Da die Anschlussrehabilitation (Anschlussheilbehandlung) in unmittelbarem Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt steht, darf der Zeitraum zwischen Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation 14 Tage nicht überschreiten.
Kostenträger für die Anschlussrehabilitation ist bei

  • Berufstätigen der Rentenversicherungsträger
  • und bei Rentnern die Krankenversicherungen

Alle weiteren Zuständigkeiten der Kostenträger sind wie beim stationären Heilverfahren.
Für eine Anschlussrehabilitation bezahlt der Patient einen Eigenanteil von 10 Euro pro Tag für max. 28 Tage.
Der vorausgegangene Aufenthalt im Krankenhaus wird angerechnet.

Die Anschlussrehabilitation wird während des  Krankenhaus-Aufenthaltes beim jeweiligen Kostenträger beantragt:
Der Eigenanteil bei Anschlussheilbehandlungen beträgt 10 Euro pro Tag (für max. 28 Tage abzüglich aller vorangegangener Krankenhausaufenthalte).

Jeder hat einen gesetzlichen Anspruch auf Rehabilitation.

Es gelten die Grundsätze:

Reha vor Rente und Reha vor Pflege

Reha vor Rente
Seit dem 1. Januar 2001 kennt das Rentenrecht nicht mehr die Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit, sondern nur noch Renten wegen Erwerbsminderung. Eine Rente wird erst gezahlt, wenn abgeklärt ist, dass sich auch durch Rehabilitationsleistungen die Erwerbsfähigkeit nicht wieder herstellen lässt. Wenn begründete Aussicht besteht, dass die Erwerbsminderung in einem überschaubaren Zeitraum behoben werden kann, sind auch zeitlich befristete Renten möglich.

Reha vor Pflege
Rehabilitation hat auch das Ziel, drohende Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder bei bereits bestehender Pflegebedürftigkeit den Hilfebedarf zu reduzieren. Bei ihren Pflegebegutachtungen prüfen die MDK-Gutachterinnen und -Gutachter deshalb auch, ob durch Rehabilitationsleistungen der Hilfebedarf vermindert werden kann.

 

Wunsch- und Wahlrecht

Sie haben die Möglichkeit, bei der Auswahl der Rehabilitationsklinik Einfluss zu nehmen. Sie haben nach § 9 Sozialgesetzbuch IX ein sogenanntes Wunsch- und Wahlrecht. Im Gesetz heißt es:

§ 9 Wunsch- und Wahlrecht der Leistungsberechtigten
(1) Bei der Entscheidung über die Leistungen und bei der Ausführung der Leistungen zur Teilhabe wird berechtigten Wünschen der Leistungsberechtigten entsprochen. Dabei wird auch auf die persönliche Lebenssituation, das Alter, das Geschlecht, die Familie sowie die religiösen und weltanschaulichen Bedürfnisse der Leistungsberechtigten Rücksicht genommen (…).

Damit Sie Ihre Rehabilitationsmaßnahme oder Anschlussheilbehandlung (nach dem Krankenhausaufenthalt) für eine bestimmte Rehabilitationsklinik beantragen können, bedarf es einer guten, detaillierten Begründung, damit Ihrem Antrag auf diese bestimmte Klinik stattgegeben werden kann. Mit Hilfe Ihres Haus- oder Facharztes oder des Sozialdienstes im Krankenhaus können Sie darlegen, warum Sie sich genau für diese Klinik entschieden haben. Wichtige Gründe sind u.a. Wohnortnähe, Unterbringungsmöglichkeiten für eine Begleitperson, Nähe zum Krankenhaus, in dem Sie vor der Reha sind, etc. Wenn Ihre Wunschklinik durch Ihre persönliche Lebenssituation (s. §9 SGB IX) begründet ist, dürfen auch keine Mehrkosten für die Bewilligung in Ihre Wunschklinik verlangt werden.
Gern sind wir Ihnen bei Ihrem Antrag behilflich: Telefon 05731 – 858200.
Argumentationshilfen zum Wunsch- und Wahlrecht erhalten Sie auch beim Arbeitskreis Gesundheit e.V.:
www.arbeitskreis-gesundheit.de. Die MATERNUS-Klinik ist Mitglied dieser Einrichtung.

Ablehnung meines Antrages:
Sollte ein Kostenträger trotz Angabe Ihrer Wunschklinik eine andere Klinik für Ihre Rehabilitationsmaßnahme ausgewählt haben, muss dies vom Kostenträger detailliert begründet werden. Mit einem formlosen Brief können Sie jedoch erneut Ihr Wunsch- und Wahlrecht in Anspruch nehmen und die Umeinweisung in Ihre Wunschklinik beantragen.
Sollte Ihr Kostenträger die Reha-Maßnahme grundsätzlich abgelehnt haben, muss auch diese Ablehnung vom Kostenträger konkret begründet sein. Aber auch in diesem Fall können Sie einen fristgerechten Widerspruch gegen diesen Bescheid einlegen.

Weitere Informationen zum Wunsch- und Wahlrecht sowie zu einem möglichen Widerspruch erhalten Sie beim Arbeitskreis Gesundheit e.V.: www.arbeitskreis-gesundheit.de